Megamarsch Dresden 2020 – Aufgeben ist keine Option!

Wer im Ziel noch lachen kann, hat wohl sein Limit noch nicht erreicht.

Es regnet, es ist kalt, ich bin müde. Also, was kann bei meinem ersten Megamarsch bloß schiefgehen? Sehr viel, weil einfach kann jeder:

3 km: Der Schmerz im kleinen rechten Zeh beginnt. (Wie erwartet, nur habe ich gehofft nicht so bald!)
7 km: Bergab laufen tut weniger weh. Also rennen wir!
12 km: Endlich: kurze Pause, Tee und etwas zu essen. Tape an meinem Zeh wechseln. Keine Zeit verschwenden. Lasst uns weiter gehen.
15 km: Ich hasse es immer noch bergauf zu gehen. Ein Freund nimmt mich bei der Hand. 2 km / h schneller Berg hoch. Ich denke, er will einfach nicht noch einmal warten müssen. Danke!
20 km: 2. Pause, Tee und etwas zu essen. So viele Leute hier. Wir gehen sofort nach dem Auffüllen unserer Flaschen und Taschen weiter.
25 km: Halbzeit! Punkt ohne Wiederkehr. Die Motivation sinkt, aber eines hilft immer: Musik! Komisch, auf jedem Ultra habe ich unterschiedliche Musik, um meine Stimmung zu unterstützen. Diesmal ist es SDP.
30 km: 3. Pause. Essen! Tee! So glücklich! Ich will nicht mehr, aber ich kann trotzdem weitermachen. Es gibt nicht genug Schmerzen, um mich jetzt einfach aufhören zu lassen.
35 km: Wir hören eine Melodie durch die Bäume.

Freund: Vielleicht ein Eiswagen!
Ich: das macht mir Sorgen. Es ist Amazing Grace und wird traditionell bei Beerdigungen gespielt!
Älterer Mann, an dem wir vorbeikamen: Ich bin nicht so weit davon entfernt!
Lektion 1: “Wenn du noch Witze machen kannst, bist du noch nicht fertig.”

40 km: 4. Pause. Tee! Cola! Essen! I want it all, I want it all, I want it all and I want it now!
Und dann wird dieses eine Lied gespielt: Blink 182 – All the small things. So viele gute Erinnerungen an dieses Lied, fügen wir noch eine hinzu! Lass uns weiter gehen!
41 km: Es fühlt sich an, als würde sich meine Socke unter meinem Fuß falten. Das ist nicht gut, also prüfe ich das: Es ist nicht meine Socke!
42 km: “Schmerz verblasst, Stolz bleibt!” – Es fühlt sich momentan nicht so an.
44 km: Der faltige Teil an meinem Fuß fühlt sich weicher an.
Lektion 2: Wenn die Schmerzen weicher werden, wird die Blase dicker!
46 km: Ich kann fühlen, wie die Blase platzt. Es tut nicht mehr oder weniger weh, also mache ich einfach weiter. “Just keep hiking, just keep hiking, just keep hiking, hiking, hiking. What do we do? We hike, hike, hike.”
47 km: Ich breche in Tränen aus. Alles fühlt sich zu viel an: Schmerz, Müdigkeit, sogar das Glück. Aber deshalb habe ich Freunde bei mir. Sie wechseln sich ab und nehmen mich bei der Hand. Niemand wird zurückgelassen! Aufgeben ist keine Option!
48 km: “Umzudrehen wäre jetzt auch dumm.” – Das ist verdammt wahr! Also Kopf hoch und weiter!
49 km: Noch einer.
50 km: Fertig. Fix und fertig!

Lektion 3: 50 km sind nicht gleich 50 km.
Lektion 4: Nach der dritten Blase in 4 Wochen an derselben Stelle ist keine Haut mehr vorhanden! Don’t try this at home, kids!

Der Unterschied zwischen alleine oder mit 3149 anderen? Ich fühlte mich viel weniger verrückt.

Die Gesamtzeit betrug 9 h 40 m. Das ist 2 h und 4 m schneller als die beste Zeit, die ich bisher je hatte! Es fühlt sich verdammt großartig an! Ich hatte mir geschworen, hier die eiskalte Wahrheit zu schreiben und hier kommt sie: Auch wenn ich wirklich stolz auf uns alle bin (besonders auf meine Schwester, die so etwas noch nie zuvor gemacht hat!) und dass wir in einer so erstaunlichen Zeit abgeschlossen haben, fällt es mir schwer, mit der Tatsache fertig zu werden, dass ich nach 47 km in Tränen ausgebrochen bin und Hilfe brauchte. Ich weiß, dass es nicht schlimm ist, aber ich bin es gewohnt, anderen zu helfen, nicht die zu sein, die Hilfe braucht. Ich habe das alles schon mal gemacht und einmal ganz alleine ohne Hilfe und auch noch mitten im böhmischen Mittelgebirge. Aber ich werde mich auch nicht völlig unterkriegen lassen. Ich komme wieder: Stärker, besser und eines Tages schneller!

Im Moment muss ich erstmal mindestens 5 Wochen Pause machen, damit alles zu 100 % heilt. Ich hoffe sehr, dass ich zu Ostern wieder auf den Beinen bin, wenn es heißt “Entdecken der Slowakei”. Stay crazy!

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