Häntzschelstiege, einmal klettern bitte

Häntzschelstiege, bei gefühlten 30 °C im Schatten, nach zu wenig Schlaf, ungesichert. Klingt erstmal verrückt? Fangen wir von vorne an…

Obwohl ich noch eine Stunde hätte schlafen können, war ich bereits um 6 Uhr auf. Da ich erst um 8 Uhr abgeholt wurde, habe ich die Zeit erstmal dafür genutzt, ein paar Dehnübungen zu machen, duschen und Füße zukleben. Letzteres ist schon fast zum Ritual geworden, aber was man eben nicht alles macht, um heil zu bleiben.

Geplant war eigentlich um 9 Uhr am Beuthenfall zu starten, allerdings mussten wir auf Nasser Grund ausweichen, da der Parkplatz schon voll war. Von da aus ist der Weg zum ersten Ziel, die Häntzschelstiege, etwas weiter, aber diesen sind wir zumindest noch nie gegangen, genauso schön. Schnell wurde klar, dass es eine anstrengende Wanderung werden würde. Nicht nur wegen den Aufstiegen, sondern auch wegen der Sonne, die bereits am frühen Morgen Vollgas gab.

Nach einer halben Stunde haben wir die Häntzschelstiege erreicht, wie auch so einige andere. Wir mussten kurz warten, aber ich wollte da unbedingt hoch. Der Tiefenangst zeigen, dass ich mich von ihr nicht einschüchtern lasse. Dass die Gruppe vor uns in voller Kletterausrüstung da hochgeht, hat mich aber auch nicht gerade beruhigt.

Dann ging es los. Stufe für Stufe. Teilweise mit zitternden Knien und auch nicht gerade dem besten Bauchgefühl, aber mit viel Willen und vor allem Konzentration ging es immer weiter. Und weiter…

Bis wir oben angekommen sind. Und ich war traurig, dass es schon vorbei war. Es hatte mich mental einiges herausgefordert, aber ich wollte mich einfach nicht unterkriegen lassen und habe es auch durchgezogen. Ein gutes Gefühl.

Also ging es weiter. Und was macht man, wenn man oben angekommen ist? Man geht wieder runter. Nachdem ich letztes Jahr einmal die Heilige Steige hoch gelaufen bin, ging es diesmal runter. Aus irgendeinem Grund auch wesentlich einfacher.

Und so waren wir nach kurzer Zeit auch schon wieder unten angekommen. Und da es bisher noch nicht mal 5 km waren, sind wir gleich den Lehnsteig wieder hoch. Was habe ich geflucht. Ich würde mich ja gerne so weiterentwickeln, dass auch den Berg hochgehen Spaß macht, aber irgendwie bin ich noch nicht an dem Punkt angekommen. Aber immer nur fluchen – niemals aufgeben! Und siehe da, auch ich bin irgendwann oben angekommen.

Weiter ging es über den Reitsteig und Roßsteig zum Goldsteig, der seinen Namen auch verdient hat. An gewissen Stellen etwas herausfordernd, gerade wenn die ganzen Steine auch noch nass sind, aber einfach wunderschön und man konnte auch schon ganz leise den Ruf der Erfrischung hören, die uns am Zeughaus erwartete.

Während wir uns im Gasthaus Stärkung verschafften, konnte man schon das eine oder andere Donnergrollen am Himmel hören. Gewitter war für heute angesagt, aber irgendwie hofft man doch, dass es dann nicht kommt, oder erst, wenn man bereits wieder im Auto sitzt. Leider hat es nicht gereicht.

Als wir die letzten 8 km über den Flößersteig gingen, kam auch der Regen und nicht gerade zu knapp. Im Augenwinkel sah man die Blitze und der Donner verriet auch, dass diese nicht sehr weit weg waren, teilweise knapp 500 m. Zwischen den Felsen krachte es auch so richtig. Während wir uns die ersten zweimal noch vor dem starken Regen mit Unterständen retten konnten, kam irgendwann der Punkt, an dem wir aufgaben und einfach nur noch weitergelaufen sind. Zumindest zwischendurch ließ sich die Sonne doch noch einmal blicken, bevor es dann nur noch wie aus Eimer schüttete.

Bis wir komplett durchnässt, aber zufrieden wieder zurückgekehrt sind. Mit immer noch 24 °C war es auch nicht wirklich kalt. Kalt wurde es erst auf dem nach Hause weg, ohne Bewegung, aber dafür gab es erstmal ein warmes Bad, um nicht auch noch krank zu werden.

Gesamtstrecke: 20322 m
Maximale Höhe: 490 m
Minimale Höhe: 162 m
Gesamtanstieg: 1200 m

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